Die Kunst der Begegnung
KLASSE FRAUEN | Macherinnen in der Region | 2026
Die Kunst der Begegnung
Wenn Ursula Hillbrand einen Raum betritt, soll nicht sie im Mittelpunkt stehen, sondern das, was zwischen Menschen entstehen kann. Begegnungskunst nennt sie das – und darin liegt ihre Leidenschaft. Sie verbindet Menschen, schafft Vertrauen und einen angstfreien Raum, in dem unterschiedliche Perspektiven Platz haben und Ideen entstehen.
Den Weg dorthin bereitete ihre internationale Laufbahn: Nach dem Jurastudium arbeitete sie für die österreichische Regierung und 25 Jahre in der EU-Kommission in Brüssel. Dort lernte sie ‚Art of Hosting‘ kennen – partizipative Prozessgestaltung als Haltung und Handwerk. Communities of Practice, Dialog und die Kunst des Zuhörens wurden zentrale Elemente ihrer Arbeit. Geprägt hat sie dabei auch ihr Mentor Claus Otto Scharmer mit der Theory U. Als sie diese Form der Zusammenarbeit kennenlernte, war ihre Reaktion schlicht: „That’s me.“
Heute begleitet Hillbrand Führungskräfte, Teams und Organisationen, wenn Situationen komplex werden. Sie klärt zuerst, worum es wirklich geht, hört genau hin und schafft Strukturen, in denen Menschen sich einbringen können. Ihren eigenen Führungsstil beschreibt sie als diplomatisch, natürlich und mit einem „weiblichen Ton“. „Damit meine ich nicht lieb und nett. Es geht darum, auszugleichen, genau hinzuschauen und auch Menschen eine Stimme zu geben, die sich nicht selbst in den Vordergrund stellen.“
Dass ihre Arbeit besonders dann gefragt ist, wenn viel auf dem Spiel steht, beschreibt eine Auftraggeberin: Man rufe Hillbrand, „weil es nicht schiefgehen darf“. Sie selbst formuliert es nüchterner. Sie hält den Raum, deeskaliert, hört zu und schafft damit Klarheit im Chaos.
Mit dem Bregenzer Salon bringt sie diese Haltung zurück an den Bodensee. Salonkultur bedeutet für sie mehr als gute Gespräche: Menschen bewusst zusammenzubringen, einen geschützten Rahmen zu schaffen und daraus neue Ideen und Verbindungen entstehen zu lassen. „Ich wollte meiner Heimat zurückgeben, was ich in Brüssel gelernt und integriert habe.“
Text von Johanna Lambach
Fotos von Ulrike Sommer
